Auch im Januar 2025 folgten die KWS-Lohnunternehmertagungen ihrer bewährten Tradition: Lohnunternehmer aus der ganzen Schweiz trafen sich, um aktuelle Informationen zu Mais- und Zuckerrübensorten zu erhalten. Eine Station war bei Lehmann AgroForst AG in Mattstetten (BE).
Rückblick auf das Ackerbaujahr 2024
In seinem Jahresrückblick beschrieb Beat Wyss, KWS-Anbauberater, vor 160 Gästen die Herausforderungen und Erfolge des vergangenen Jahres: Bauernproteste, schwierige Witterungsbedingungen, verspätete Saaten und das erfreuliche Ergebnis der Abstimmung zur Biodiversitätsinitiative aus landwirtschaftlicher Sicht prägten das Jahr. Die Maisernte erzielte gute Ergebnisse, während die Zuckerrübenproduktion durch die Verbreitung des SBR-Virus und andere Krankheiten wie Cercospora stark gefordert war. Sorge bereitet der Branche ausserdem das drohende Meldesystem Digiflux.
Herausforderungen Einzelkornsaat
Jochen Rosebrock, Produktmanager bei Amazone, präsentierte die Technologien in der Einzelkornsaat. Die klimatischen und bodenbezogenen Einflussfaktoren sowie die Arbeitsgeschwindigkeit stellen hohe Anforderungen an moderne Sämaschinen. Mit innovativen Lösungen wie Andruckrollen für eine gleichmässige Saateinbettung und Smart-Force-Technologien, die eine präzise Saatgutablage gewährleisten, adressiert Amazone diese Herausforderungen. Zudem ermöglichen Einzelreihenschaltungen und Applikationskarten eine ressourceneffiziente Düngung.
Mais- und Zuckerrübensorten 2025
Galismo (Reifegruppe mittelfrüh), erzielte in den Sortenversuchen von Agroscope 11 % höhere Trockenmasseerträge als der Durchschnitt (233,1 dt/ha) bei überdurchschnittlichem Stärkegehalt. Sie punktet demnach mit einem sehr hohen Ertragspotenzial, eine sehr gute Verdaulichkeit und hohen Energiewert.
Lupollino, eine mittelspäte Sorte, überzeugte mit 237,3 dt/ha Trockenmasseertrag und eignet sich ideal für späte Aussaaten. Die Jugendentwicklung und eine gute Resistenz gegen den Beulenbrand und Blattflecken weisen ebenso positive Ergebnisse auf.
Im Bereich der Zuckerrüben stellte KWS die Sorte Beppina vor – die erste, die sowohl Smart-Conviso- als auch CR +-Eigenschaften kombiniert und damit neue Massstäbe setzt.
Erfolgreiche ausserfamiliäre Betriebsübergabe der Lehmann AgroForst AG
Ein Höhepunkt der Veranstaltung war der Einblick in die Entwicklung der Lehmann AgroForst AG. Fritz Lehmann übergab den Betrieb 2022 an die beiden jungen Unternehmer Pascal Schori und Markus Bill, nachdem klar wurde, dass seine Kinder den Betrieb nicht übernehmen würden. Die Übergabe war sorgfältig geplant. Ein Jahr später erfolgte der Umzug des Betriebs an einen neuen Standort am Dorfrand von Mattstetten. Dort errichtete Fritz Lehmann als Bauherr eine Halle mit Werkstatt und zwei Wohnungen. Die Halle haben seine Nachfolger gemietet.
Zusätzlich zum Lohnunternehmen ist die Lehmann AgroForst AG am Wärmeverbund Hohrain AG beteiligt. Dieser wurde 2024 in Betrieb genommen und versorgt im Anfangsstadium rund 200 Wohnungen mit Fernwärme. Die Lehmann AgroForst AG übernimmt die Beschaffung der Holzschnitzel sowie den Unterhalt und Betrieb des Wärmeverbunds. Aus dieser Zusammenarbeit ergab sich 2023 ein zusätzliches Geschäftsfeld: der Leitungsbau für Fernwärmenetze. Dabei hat sich die Lehmann AgrosForst AG auf den Leitungsbau und den Anschluss von Wohnungen an das Wärmenetz spezialisiert.
Entstehungsgeschichte und aktuelle Dienstleistungen
Die Wurzeln des Betriebs reichen bis ins Jahr 1946 zurück, als Fritz Lehmann sen. mit Feldspritzarbeiten begann. 1972 fand der erste Mähdrescher seinen Platz in dem noch jungen Lohnbetrieb.
In der Branche erlangte die Lehmann AgroForst AG Bekanntheit mit der Entwicklung der ersten Maispresse, LT Master, durch Fritz Lehmann in Zusammenarbeit mit der Landtechnik Zollikofen im Jahr 1999.
Auch heute, 26 Jahre später profitieren die Kunden vom Know-how der Lehmann AgroForst AG, rund um das Pressen von Mais, Grashäckselballen, CCM, Kolbenschrot und Rübenschnitzel. Die sieben Maispressen ermöglichen maximale Flexibilität auch in knappen Erntezeitfenster. Ein Maishacker mit Kempervorsatz inklusive Stalkbuster, Graspickup und einem Direktschneidwerk von Zürn sowie, der 2018 selbst gebaute Überladebunker mit Triebachse, Hangausgleich und Hundegang runden dieses Ernteprogramm ab.
Weitere Standbeine sind das Kartoffelsetzen, Wurzelstöcke fräsen, Holzhacken, (MusMax gezogen am Traktor und Albach Diamant 2000) sowie die professionelle Sanierung von Flurwegen. Werkstatt- und Konstruktionsarbeiten ergänzen das Produkteportfolio.
Der Betrieb beschäftigt 4,5 Festangestellte und darf während der Saison auf einen grossen Pool an Stammfahrer zählen. Somit stehen für die Kunden der Lehmann AgroForst AG, je nach Saison, ein Team von bis zu 15 Personen im Einsatz.
Wärmeverbund Hohrain AG, ein Wärmeverbund am Dorfrand entsteht
Das effiziente Betreiben des grossen Schnitzelofens, die Nachbehandlung der Abgase mittels modernster Filtertechnik und die Wärmerückgewinnung aus den Abgasen sind nur einige Vorteile, welche eine Grossanlage gegenüber vielen kleineren Heizungen bieten kann.
Der Wärmeverbund ersetzt ca. 800’000l Heizöl mit regionalem Hackholz. Im Gegensatz zu Erdgas oder Heizöl sind Hackschnitzel nicht nur CO2 Neutral, auch die Wertschöpfung findet in dieser Region statt. Dies führt zu höheren Hackholzpreisen, was die Waldbesitzer stärkt.
Für die Hohrain AG entstand eine Heizzentrale mit einem ausgewogenen Energiemix. Das Herzstück stellt eine Schnitzelheizung von Binder mit 1650kW Leistung dar. Der zweite Ofen ist geplant, mit welchem eine Gesamtleistung von bis zu 3500kW Leistung erreicht wird. Die Sommerlast deckt eine Solarthermieanlage (900m2; 400kW) ab, während eine Photovoltaikanlage (1600m2; 334kWp) den Strom für den Betrieb der Heizzentrale liefert. Die Wärme wird in zwei Jenny-Speicher von insgesamt 120m3 gespeichert und je nach Wärmebedarf an die einzelnen Gebäude abgegeben. Das Wärmenetz umfasst rund 3’500m Stammleitungen. Für den Notbetrieb steht ein Ölbrenner mit 1500kW bereit, damit die Wärmelieferung garantiert werden kann.
Abonnieren Sie unseren Newsletter und erfahren Sie das Wichtigste in Kürze per E-Mail.
Verband Lohnunternehmer Schweiz
Rütti 15
CH-3052 Zollikofen BE
+41 56 450 99 90
Verband Lohnunternehmer Schweiz © 2025